Überschwemmt

Art never comes from happiness. Aber auch nich von Traurigness. Bei mir zumindest nicht. Art kommt gerade gar nicht so bei mir. Bei mir kommt nur Ar(bei)t und Schlafen. In Schlafen steckt zum Beispiel gar kein Art und trotzdem ist es für mich zurzeit eine große Kunst durchzuschlafen. Meine Gedanken spinnen Kunst zusammen und pflanzen sie dann als Träume in meinen Schlaf. Und dann ist es 1 Uhr, dann ist es 3 Uhr, dann ist es 5 Uhr und dann kann ich auch eigentlich wach bleiben. Das nenn ich mal Art: Im Takt, auf die Minute genau, alle zwei Stunden aufzuwachen. Kann auch nicht jeder. Dementsprechend hakt dann auch die Art(ikulation) am nächsten Morgen. Nur "Moin" und "Wie geht's" bevor ich mich mit Kaffee vor den Bildschirm werfe und hoffe, dass er mich überfährt. Eigentlich mag ich es hier. Arbeiten ist immer ein bisschen Freunde treffen, viel Lachen, vielviel Limonade trinken. Aber das kitzelt auch keine Kunst aus mir raus. Ich schreibe gerne und dass immer mehr Leute schreiben, liegt daran, dass alle nur noch schreiben, nicht mehr reden. Ich lese so viel, dass meine Reize überflutet werden mit Kunst und Art und Talenten anderer Menschen. Und wenn man überflutet wird, muss das Wassser erst einmal wieder abfließen, bevor wieder ein Stück von sich selbst zum Vorschein kommt. Halbe Kontinente wurden überschwemmt, unser Keller auch schon mal. Kommt immer darauf an, wie groß die überschwemmte Fläche ist. Kommt auch immer darauf an, wie schnell das Wasser fließt und wie viele Leute mit Eimern helfen abzuschöpfen.



Goodbye 2016

Ich bin mal wieder spät dran, ich weiß. Aber ich habe auch schon mindestens drei ganze Rückblicke geschrieben, verworfen und von neuem angefangen. Es ist gar nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden, wenn man seit einem Jahr davon spricht, wieder regelmäßiger hier aufzutauchen, verspricht, sich endlich wieder häufiger von der Seele runterzuschreiben und am Ende nur vor einem leeren Blatt sitzt und nicht weiß, wo man anfangen soll. Und deswegen wird das hier auch kein ausschweifender Jahresrückblick, bloß eine langweilige Ansammlung von zusammengewürfelten Momenten aus 2016.

Persönlich
Anfang des Jahres verabschiedete ich mich mit dem berühmten lachenden und dem genau so bekannten weinenden Auge von meiner kleinen IT-Familie, die mich in meiner ersten Zeit in Hamburg so liebevoll aufgenommen hatte. Keine langen Kicker-Battles in der Mittagspause mehr, keine Lachanfälle, die allein Jonny zuzuschreiben waren, tschüss Hamburgnet - willkommen in der verrückten Welt von fritz-kola. Hier lernte ich meine Kollegen nicht nur gut kennen, einige von ihnen sogar direkt lieben, meine Mädchen im Büro, mein wundervolles Team im Süden. Ich hätte es nicht besser treffen können.

Doch privat sah es da ganz anders aus. Ich kämpfte mit mir und meinen Gefühlen, meinen Instinkten und meinen Vorsätzen. Ich tat Dinge, die ich niemals von mir erwartet hätte und ich hasste mich dafür. Auf einmal wusste ich nicht mehr, wo ich stand, oder wer ich eigentlich war. Und alles, was ich mir die Jahre zuvor so hart erkämpft und aufgebaut hatte, drohte einzustürzen. Aber man hat ja doch irgendwie immer alles geschafft. Also raffte ich mich auf, riss mich zusammen und rückte mein Herz wieder an den rechten Fleck, oder wenigstens dorthin, wo ich es vermutete. Ich lies alte Freundschaften wieder erwachen, arbeitete an den neuen und konzentrierte mich darauf, wieder mehr für mich zu machen, für mich und das was mir gut tut. Zwar muss ich das ein oder andere Klötzchen, das von dem wackelndem Turm heruntergefallen war, noch zurückstellen, aber ich weiß, dass ich dabei nicht alleine bin. Und das tut verdammt gut.

Musik
Und weil sich Spotify dieses Jahr ganz dreist aus der Affäre zieht und uns nicht bei unseren Rückblicken helfen möchte, habe ich zusammengekramt und meine eigene Playlist für 2016 erstellt. Sie ist ziemlich... abwechslungsreich ^^ (Zu meiner Entschuldigung: in einem Mädchenbüro kommt man um Justin Bieber leider einfach nicht rum!)


Best of Live
1. Skindred & Zebrahead (Markthalle) - Debby und ich waren ja schon vor zwei Jahren bei Rock im Park komplett von Skindred begeistert. Dass das nur gut werden konnte, war also vorprogrammiert. Jedoch war uns nicht so ganz bewusst, dass Zebrahead davor nicht nur als Support dabei sind, sondern selber eine ganze Show spielen würden. Doppelt gut.

2. Bring me the Horizon (Sporthalle) - Lange gefeiert, lange wieder vergessen, neu verliebt. Und die Shoooooow!

3. City and Colour (Docks) - Ich glaube da oben auf der Bühne würde mir nur einer mehr Gänsehaut mit seiner Stimme bereiten als Dallas Green: Freddy Mercury. Kurz gesagt: Lover come back to Hamburg, das war ein wunderschönes Konzert!

4. LEA (Häkken) - Mehr Gefühl gibt es nicht in der deutschen Musik. Nirgends mehr sich in den Armen liegen. Nirgends mehr zusammen weinen. LEA ist einzigartig. Und so war auch ihr Konzert im Häkken. Wären da nicht diese zwei Mädels gewesen, die beinahe eine Sitzen gehabt hätten, hätte ich Yvonne nicht davon abgehalten - aber das gesamte Konzert mit dem Handy festzuhalten, dabei auf vier verschiedenen Plattformen zu posten, Männerprobleme über Whatsapp zu klären um dann auch noch bei den ruhigen Liedern dazwischen zu quatschen - ach... Yvonne, ich hätte es dich einfach tun lassen sollen.

5. OK KID (Dockville) - Heimatliebe. Nothing left to say. Achja und Dockville. Also noch ein Zuhauseliebe dazu.

Reisen
1. Irland - Muss ich euch nicht mehr viel zu sagen, oder?

2. Sylt - Mit Defender auf ein Jura Whisky Tasting. Traumhafter Tag mit meiner Maria und ganz vielen anderen tollen Leuten, mit den Füßen im warmen Meer, dem Sternenhimmel über uns und leicht einen sitzen.

3. Burg Eltz - Traumhaftes Märchenschloss in Rheinland-Pfalz. Tief versteckt im Wald, zwischen Eltz und der Eifel.

4. München - Nun gut, wirklich viel habe ich nicht von München sehen können, immerhin war ich wegen der Arbeit dort. Aber dafür hab ich die Stadt mit einem echten Bayer erlebt, inklusive Weißwürsten, Brezeln, langen Gesprächen am Gärtnerplatz und Augustiner, leckerstem Eis zur Aufmunterung und bayrischem Reggea. Und ganz nebenbei war das der Beginn einer ziemlich coolen Freundschaft!

5. Edinburgh London - Unsere gescheiterte Reise nach Edinburgh fand dann in London statt, mit Fieber pünktlich um 00:00 Uhr vor dem Fernseher. Aber immerhin London. Ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen.


Inspireland: Von Howth und Maut

An unserem vorerst letzten Morgen in Dublin möchte ich eigentlich gerne noch einmal in die Stadt, um die Bibliothek der Universität zu besuchen unser dann doch sehr knappes Zeitfenster belehrt mich dann aber doch eines Besseren. Am Abend zuvor hatten uns Jason & Freddy, unsere zauberhaften Airbnb Hosts geraten im Brazen Head frühstücken zu gehen. Der kleine Pub gilt als ältester Pub Irlands, oder zumindest Dublins, oder zumindest behauptet er das von sich. Da wir gerade mal fünf Minuten zu Fuß brauchen, sind wir bereits vor Öffnung des Pubs dort. Ein bisschen zu früh, sogar für unseren deutschen Geschmack und weil mir das schon fast etwas unangenehm ist, laufen wir noch ein paar Meter an der Liffey entlang, um die Zeit zu überbrücken. Als sich die Tore öffnen, sind wir die ersten. Die Besitzer, sichtlich noch etwas verschlafen von der letzten Nacht, kümmern sich jedoch herzallerliebst um uns und das Frühstück - irisch - schmeckt uns ganz ausgezeichnet. An den Wänden hängen unzählige Geldscheine, beschriebene Servietten, Polizeiabzeichen und andere Mitbringsel aus der ganze Welt und wir fühlen uns auf Anhieb wohl.

Gelobt sei die deutsche Pünktlichkeit.

Nach dem ausgiebigen Frühstück fahren wir wieder an den Flughafen, um unseren Mietwagen für die nächste Woche abzuholen. Ein paar Minuten früher ankommen, das kennen wir ja schon von heute morgen, mag in Deutschland ganz normal  sein, frei nach dem Motto "Lieber zu früh, als zu spät". In Irland bin ich mir da allerdings nicht ganz sicher, denn hier heißt "Ich bin um 9 Uhr da" auch manchmal einfach 10:30 Uhr, oder auch mal gar nicht, also warten wir wieder und vergnügen uns mit den Dublin Bildern der letzten Tage.

Unseren Mietwagen haben wir im Vorfeld über grüne-insel gebucht, die alles weitere mit Dooley's vor Ort geklärt haben. Neben dem grün geschmückten Tresen, hinter dem ein roter Haaransatz hervorlugt sitzen Sixt, Avis, Hertz und Co. Wir scheinen bei dem einzig wirklich irischen Autoverleiher gelandet zu sein. Bei der Übergabe gibt es keine Probleme und wir werden sogar mit ein paar Sätzen gebrochenem Deutsch begrüßt. Doch als wir endlich vor unserem Wagen stehen, macht mein Herz einen kleinen Aussetzer. "Das ist aber ein ganz schön großes Auto!" Ist es nicht. Bloß für irische Verhältnisse. Für die Verhältnisse der engen Straßen, die auf uns warten. Ich muss kurz schlucken, das Ausleihformular ist aber schon unterschrieben und so gibt es kein Zurück mehr für uns und unseren Kadjar.

I need Vitamin Sea.

Diesen Gedanken schiebe ich jedoch für die nächsten Stunden beiseite. Die erste Strecke führt uns nämlich über die irische Autobahn und wirklich okaye Straßen bis nach Howth. Eigentlich zieht uns unsere Route weiter in den Süden und vor allem weiter westlich, doch nach dem Trubel der Großstadt, brauchen wir dringend erst mal ein bisschen Meer. Gerade mal 20 Minuten brauchen wir bis in die kleine Hafenstadt vom Flughafen aus. Dank dem netten Autoverleiher wissen wir nun auch ganz genau, wie wir die Mautgebühren zu bezahlen haben, nur irgendwie nicht so richtig, wie oft.

In Irland gibt es nicht viele Autobahnen und nur auf wenigen Strecken gibt es eine Mautpflicht. An einigen Stellen fährt man, wie auch in anderen Ländern, durch Schranken hindurch und bezahlt den Betrag direkt vor Ort. Für einige Straßen kann die sogenannte Toll jedoch nur an ausgewiesenen Verkaufsstellen oder online gezahlt werden. Wir entscheiden uns gleich ein paar Einheiten online und im Voraus zu bezahlen, um später nicht in Verzug zu kommen. Auf eFlow geht dann alles sehr selbsterklärend und schnell. Als wir den Mietwagen eine gute Woche später wieder zurückgeben, sieht die Autovermietung ganz genau welchen Betrag wir zahlen müssen und wir atmen auf. Wir haben sogar ein bisschen zu viel gezahlt, aber die 3 € sind zu verkraften.

An den Stellen, wo die Mautgrenzen beginnen, wird jedes Auto und damit das Kennzeichen "geblitzt". So wird registriert was man zahlen muss. Man gibt dann online einfach nur noch die Kennziffer des Autos ein, die man auf dem Mietvertrag ablesen kann und kann direkt mit Kreditkarte bezahlen. Für alle Iren und Leute, die öfters auf den mautpflichtigen Straßen unterwegs sind, lohnt es sich wahrscheinlich direkt einen Account bei eFlow zu erstellen, um immer selbst sehen zu können, ob noch eine Zahlung aussteht.

Als wir unseren Renault Kadjar auf einem kleinen Parkplatz in Howth abstellen, fängt es gerade zu regnen nieseln an. Was an sich und von der Menge her nicht schlimm wäre, macht der Wind, der uns beinahe die Füße unter den Beinen wegweht ein bisschen unangenehm. Aber wir stehen endlich am Wasser, endlich am Meer und können den Ausblick auf Ireland's Eye, eine kleine Insel direkt vor der Bucht genießen. Das macht alles wieder wet. In Dublin hatten wir uns zuvor in einem SPAR mit Proviant eingedeckt, den wir zurück im Auto anbrechen. Gerne würden wir noch länger bleiben, die Klippen von Howth bewundern, noch länger am Hafen entlang spazieren und uns in einem gemütlichen Restaurant niederlassen. Allerdings ist es bereits 17 Uhr und unser Plan ist es noch bis nach Cork runter zu fahren. Auch das werfen wir gleich wieder über den Haufen und entscheiden uns in Kilkenny einzukehren - Fatalster Fehler unserer Reise, doch davon mehr im nächsten Teil...